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Die richtige Kameraperspektive zu finden ist oft keine leichte Aufgabe.

Doch was genau ist eigentlich eine Kameraperspektive? Und welche Perspektiven sollte man unbedingt kennen, wenn man einen Film drehen möchte?

Hier gibt es alle wichtigen Kameraperspektiven sowie ihre Wirkungen und Funktionen im Überblick.

Was ist eine Kameraperspektive? (Definition)

Die Kameraperspektive bestimmt, aus welchem Betrachtungswinkel die Kamera ein Objekt bzw. eine Person filmt und stellt damit eine unmittelbare physische und psychische Verbindung zwischen dem Publikum und dem dargestellten Geschehen her.

Dabei bilden die Kameraperspektive und die Einstellungsgröße eine untrennbare Einheit. Denn während die Einstellungsgröße bestimmt, was man zu sehen bekommt, entscheidet die Perspektive darüber, wie man es zu sehen bekommt.

Grob zusammengefasst bedeutet das: Die Kameraperspektive beschreibt den Blickwinkel, aus dem die Kamera filmt.

Bei der Kameraperspektive unterscheidet man in Normalsicht, Untersicht, Aufsicht (Obersicht) (und Schrägsicht).

Normalsicht

kameraperspektive-normalsichtBei der Normalsicht befindet sich die Kamera auf Augenhöhe des Protagonisten bzw. auf der gleichen Höhe, wie das gefilmte Objekt.

Dabei versucht die Normalsicht die natürliche perspektivische Wahrnehmung des Menschen nachzustellen. Daher ist diese Kameraperspektive auch relativ unspektakulär – Schließlich sehen wir die Welt jeden Tag aus diesem Blickwinkel.

Wirkung und Funktionen

Die bekanntesten Funktionen der Normalsicht sind:

Die natürliche Wahrnehmung des Menschen nachzuempfinden
Die subjektive Perspektive eines Protagonisten darzustellen
Gewöhnliche bzw. alltägliche Perspektiven herzustellen

Normalsicht als Auf- oder Untersicht

Es kann aber auch passieren, dass die Normalsicht als Auf- bzw. Untersicht fungiert. Zum Beispiel, wenn aus der Sicht einer hohen Statue auf einen Menschen gefilmt wird (Aufsicht) oder die Protagonisten Kinder sind (Untersicht). Die jeweilige Normalsicht passt sich der Höhe des Protagonisten bzw. des Objekts an und kann so als Auf- bzw. Untersicht wirken.

Untersicht

kameraperspektive-untersichtBei der Untersicht (engl.: Low-Angle-Shot) ist die Kamera in einer niedrigen vertikalen Position zum Protagonisten bzw. zum Objekt. Eine extreme Form der Untersicht ist die Froschperspektive.

Wirkung und Funktionen

Die Untersicht kann aus verschiedenen Gründen eingesetzt werden. Die bekanntesten Funktionen sind:

Die Größe eines Protagonisten oder eines Objekts zu verstärken
Einen Menschen stärker, heroischer, bedrohlicher oder kräftiger erscheinen zu lassen
Objekte oder Gebäude mächtiger und eindrucksvoller darzustellen
Bestimmte Objekte aus dem Bild zu entfernen (Umgebung)
Den Horizont bzw. den Vordergrund bewusst aus dem Bild zu entfernen
Bei einem Gespräch einen Protagonisten überlegen darzustellen
Handlungen in der Höhe zu betonen, z.B. ein Flugzeug
Erzwungene Perspektiven herzustellen

Froschperspektive

kameraperspektive-froschperspektiveDie Froschperspektive ist eine extreme Form der Untersicht. Dabei ist die Kamera auf einem sehr niedrigen Standpunkt (Boden) und filmt die Objekte bzw. Personen aus einem steilen Winkel (bis zu 90°) von unten.

Der Effekt wird allerdings nicht sehr oft eingesetzt, da die dramaturgische Wirkung nicht so hoch ist, wie bei der gängigen Untersicht.

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Aufsicht (Obersicht)

kameraperspektive-aufsichtBei der Aufsicht bzw. Obersicht (engl.: High-Angle-Shot) ist die Kamera in einer hohen vertikalen Position zum Protagonisten bzw. zum Objekt. Als extreme Form der Aufsicht gelten Vogelperspektive und Top-Shot.

Wirkung und Funktionen

Die Aufsicht hat verschiedene Wirkungen und Funktionen. Die bekanntesten Funktionen sind:

• Einen Überblick über das Geschehen zu geben
• Eine Szene mit vielen Darstellern vorzustellen (z.B. eine epische Schlacht)
• Die gefährliche Höhe einer Schlucht zu betonen (z.B. aus der Subjektiven)
• Personen kleiner, unterlegener oder harmloser darzustellen
• Objekte oder Gebäude kleiner erscheinen zu lassen
• Den Horizont bzw. Vordergrund/Hintergrund bewusst aus dem Bild zu entfernen
• Bei einem Gespräch einen Protagonisten unterlegen darzustellen
• Erzwungene Perspektiven herzustellen

Vogelperspektive

kameraperspektive-vogelperspektiveDie Vogelperspektive ist eine extreme Form der Aufsicht, bei der sich die Kamera auf einem sehr hohen Standpunkt befindet und das Objekt von schräg oben einfängt.

Sie wird oft dazu benutzt, um dem Zuschauer einen Überblick über das Geschehen zu geben. Bei professionellen Filmproduktionen wird diese Perspektive mit einem Kamerakran oder „Kamera-Coptern“ umgesetzt.

Top-Shot

kameraperspektive-topshotDer sogenannte Top-Shot ist die extremste Form der Aufsicht. Dabei befindet sich die Kamera auf einem hohen Standpunkt und filmt das Geschehen aus einem 90°-Winkel von oben.

Diese Form der Aufsicht soll Kollektivität, Machtlosigkeit und Unterlegenheit vermitteln.

Schrägsicht

kameraperspektive-schraegsichtBei der Schrägsicht (engl.: Dutch Angle) ist die Kamera in einer schrägen Position zum Protagonisten bzw. zum Objekt. Die schräge Perspektive kann mit einer Auf- bzw. Untersicht kombiniert werden.

Wirkung und Funktionen

Die Schrägsicht kann aus verschiedenen Gründen eingesetzt werden. Die bekanntesten Funktionen sind:

Um Unwohlsein, Spannung, Verwirrung oder Gleichgewichtsverlust darzustellen
Einen irrealen oder desorientierten Eindruck zu vermitteln (z.B. Traum)
Eine innere Unruhe im Bild entstehen zu lassen
Um Hinweise auf das Befinden eines Protagonisten zu geben
Zu zeigen, dass etwas nicht stimmt (drohende Gefahr)
Erzwungene Perspektiven herzustellen

Fazit

Durch das Zusammenspiel von Einstellungsgröße und Kameraperspektive ergeben sich unzählige Möglichkeiten, einzelne Bilder stimmungsvoll zu gestalten und die gewünschte Atmosphäre einer Szene zu unterstützen.

Dabei kann man die unterschiedlichen Perspektiven dazu verwenden, um einzelnen Bildern eine bestimmte Wirkung mitzugeben und die Filmdramaturgie zu unterstützen.

Deswegen sollte man sich bei der Wahl der Kameraperspektive bewusst sein, welche Wirkungen sie haben und wie man sie am Besten einsetzen kann.

Es gilt: Wer sich vor dem Filmdreh genauer mit den Perspektiven beschäftigt, kann sie bewusst einsetzen und die einzelnen Aufnahmen besser gestalten.

Mehr Informationen zum Thema Kameraperspektiven gibt es natürlich bei Wikipedia.

(Artikelbilder: Daniel Negenborn / Person im Bild: Jens Schmidt)

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Über den Autor

Daniel Negenborn
Filmstudent
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Hi, mein Name ist Daniel A. Negenborn. Ich bin Filmstudent, Mediengestalter Bild und Ton, Hobbyfotograf und Blogger - Hier im Blog schreibe ich über alles, was mit dem Thema Filmemachen zu tun hat. Dabei teile ich u. a. meine eigenen Erfahrungen und Kenntnisse, gebe Tipps & Tricks zum selbstständigen Filmen und stelle angehende Filmemacher vor.

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4 Responses

  1. David

    Hallo Daniel,

    vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Dein Blog bietet wirklich super hilfreiche Beiträge zu Grundlagen und Tipps. Zudem ist er optisch sehr ansprechend aufgestellt.

    Ich betreibe selbst eine kleine Seite speziell über YouTube-Vlogs und werde passende Beiträge von dir direkt verlinken.

    Grüße
    David

    Antworten
  2. Christian Nosty

    Super Blog. Was mich heutzutage bei so vielen Internetvideos stört ist das die meisten Videos so lieblos hingeklatscht werden. Grade in diesem Bereich kann man doch seiner Kreativität freien Lauf lassen und durch verschiedene Kameraperspektiven seine Werke aufwerten. Das Auge isst mit. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber ich mag einfach schöne Bilder. Jetzt mal abgesehen vom Inhalt gucke ich mir einfach schön in Szene gesetzte Bilder an.
    Deine Seite gefällt mir super 🙂

    Gruß, Chris

    Antworten
  3. Hans Peter Wöhler

    Hi Daniel,

    Ich bin Späteinsteiger, hab mir vor 4 Jahren mal im Urlaub eine Kamera gekauft und lustig umhergefilmt. Kleinere Aneinanderreihung von Clips produziert, soweit Ok.
    Dann die Kamera verbessert, noch mehr umhergefilmt. Mit dem Ergebnis das ich viel viel viel Material hatte und später vor einem Haufen unbrauchbarem Material saß.
    Deine Berichte, Erklärungen sind super verständlich, auch für jemanden der Fotografie/Film nicht studiert hat.
    Bin fest entschlossen, deine Anregungen aus den Bereichen (Drehbuch, Perspektiven, Blenden, Vorplanungen usw. In meinem nächstes Projekt um zusetzen.
    (Die Reise eines kleines (orangenen Stofftier) Fuches durch Island zu plane und in einen Film zu verwirklichen)
    Vielen Dank für die guten Berichte, und das du Andere dran teilhaben lässt.
    Gruß aus Ganderkesee
    Hans Peter

    Antworten

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