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Film Noir – Genre oder Filmstil? Mit dieser Frage haben sich schon viele Filmwissenschaftler beschäftigt. Doch was genau ist Film Noir jetzt eigentlich?

Jan Frers, Filmstudent aus Hamburg, hat sich in seiner Facharbeit „No Country for old Men – Ein postmoderner Film Noir“ mit dem Begriff Film Noir genauer auseinander gesetzt.

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt seiner Facharbeit, den er mir mit freundlicher Unterstützung für FilmMachen.de zur Verfügung gestellt hat.

Film Noir – Genre oder Filmstil?

Der Begriff Film Noir wurde von französischen Filmkritikern eingeführt. Sie bezogen sich zunächst auf amerikanische Filme, die ab 1941 entstanden sind. Später entstanden auch in Europa und im Rest der Welt Film Noirs.

Die Frage, ob es sich um eine Stilbezeichnung oder ein eigenständiges Genre handelt, wird bis heute viel diskutiert. In der Einleitung zu seinem Reclam Heft „Film Noir“ erklärt Norbert Grob, dass der Begriff als Genrebezeichnung verstanden werden kann.[1]

Stil und die düstere Atmosphäre stehen im Vordergrund und werden durch eine zynische, pessimistische und nihilistische Weltansicht bestimmt.

Nach Norbert Grob gehört zum Film Noir, dass das Handeln der Figuren immer in Kriminelle Zusammenhänge führt. Die Filme zeigen desillusionierte Anti-Helden und zwielichtige Charaktere. Dabei ist der Film Noir nicht der Realität verpflichtet. Die Protagonisten stehen am Rande des Zusammenbruchs, haben große Träume und geraten dabei in gefährliche und hinterhältige Situationen. Die Gefahren werden ignoriert. Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Versagen sind das Resultat.

Es geht um die Flucht aus der eigenen bitteren Realität, um Schuld, Gewalt, die Unausweichlichkeit des Schicksals und Vergeblichkeit. Desorientierte Erzählperspektiven, indirekte Erzählweisen, das Spiel mit Hell und Dunkel, sowie zeitliche und räumliche Diskontinuität unterstreichen den Inhalt.

Grob zitiert Georg Seeßlen : „Film Noir sei…. „die hoffnungslose Dialektik von Liebe und Geld, der Held, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, das Schwarz und Weiß, das einander berührt wie eine Welt die andere, der Schatten, der mächtiger ist als der, der ihn wirft, die Trostlosigkeit der Nacht, in der jedes Licht nur an einen Ort des Verderbens führen kann.“[2]

Grob unterscheidet vier zentrale Charakteristika:

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1. Die Stadt
2. Die Nacht
3. Off Erzählungen/ Rückblenden
4. Licht/ Schatten

1. Die Stadt

Die Großstadt ist im Film Noir sowohl als Motiv, als auch als Thema von zentraler Bedeutung. Sie ist der ideale Ort, um Träume wahr werden zu lassen, ein Ort, an dem alles möglich scheint. Die Stadt ist aber auch eine Bedrohung. Hektik, Gewalt, Chaos machen sie zu einem düsteren, nicht beherrschbaren Ort, einem „Kessel der negativen Energie“[2].

2. Die Nacht

Ebenso wie die Stadt als Ort des Düsteren, Unbeherrschbaren, Bedrohlichen, ist die Nacht für die verzweifelten, hoffnungslosen, entwurzelten Anti-Helden  die Gelegenheit, Schutz zu suchen oder ihre  negativen Energien zu entfalten.

Die Welt der Nacht und des Dunkels, des Schemenhaften und Unsichtbaren spiegelt die Gefühlslagen der Menschen wider, die ihrer oft trostlosen Realität entfliehen wollen.

3. Off-Erzählungen/ Rückblenden

Stilistisch bedeutsam für den Film Noir sind die Rückblenden und Off-Erzählungen, die die düstere Stimmung der Protagonisten und ihre nihilistische  Weltsicht unterstützen. Sie verstärken den Eindruck beim Zuschauer, „dass eigentlich alles, was passiert, längst entschieden ist“[2].

Rückblenden machen dem Zuschauer die Hoffnungslosigkeit und die Ohnmacht der Protagonisten gegenüber ihrem eigenen Schicksal deutlich, er verknüpft das Sichtbare mit dem Vergangenen und wird in eine Stimmung der „allumfassenden Hoffnungslosigkeit“, der „verlorenen Zeit“[2] hineingezogen.

Die Off-Erzählungen erscheinen wie Stimmen aus einer anderen Welt, mysteriös,  und verstärken den Eindruck des Bedrohlichen.

4. Licht/Schatten

Ein weiteres stilistisches Element, das die oben genannten vervollständigt, ist der Einsatz von Licht und Schatten. Die Hell-Dunkel-Kontraste stehen für das spannungsvolle Leben der Entfremdeten, Verzweifelten, Zwielichtigen.

(Text: Jan Frers: No Country for old Men – Ein postmoderner Film Noir, Facharbeit vom 17.09.15 | Artikelbild: © stokkete / photodune.net)


[1] Grob, Norbert (Hrsg.), Filmgenres, Film Noir, Einleitung: Kino der Verdammnis, Reclam , Stuttgart, 2008.
[2] Eder, Jens (Hrsg.), Oberflächenrausch, Postmoderne und Postklassik im Kino der 90er Jahre, LIT Verlag, Hamburg 2008, S.22 – 32.

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Über den Autor

Daniel Negenborn
Filmstudent
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Hi, mein Name ist Daniel A. Negenborn. Ich bin Filmstudent, Mediengestalter Bild und Ton, Hobbyfotograf und Blogger - Hier im Blog schreibe ich über alles, was mit dem Thema Filmemachen zu tun hat. Dabei teile ich u. a. meine eigenen Erfahrungen und Kenntnisse, gebe Tipps & Tricks zum selbstständigen Filmen und stelle angehende Filmemacher vor.

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