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Die Bearbeitung von Sprachaufnahmen gehört zum Handwerk vieler Audioproduzenten und kann – je nach Gegebenheiten – ziemlich aufwendig sein.

Oft ist das Ausgangsmaterial alles andere als perfekt, doch mit einigen simplen Tricks kann man das Maximum aus jeder Aufnahme herausholen und sie zur bestmöglichen Qualität bringen.

Sprachaufnahmen bearbeiten

1. Die richtige Abhörsituation

Beim Schneiden von Sprachaufnahmen geht es um das Erfassen kleinster Störgeräusche. Diese sind meist sehr leise und verstecken sich im Hintergrund.

Ich persönlich editiere Sprachaufnahmen nicht mit den Studio-Monitoren, sondern viel lieber mit dem Kopfhörer. So entgeht mir kein noch so kleiner Störenfried. Egal, ob mit Kopfhörern oder Studio-Monitoren, auf jeden Fall sollte man Umgebungsgeräusche ausblenden können, damit Feinheiten der Sprachaufnahme bearbeitet werden können.

2. Das richtige Audioformat

Sprache sollte immer in Mono vorliegen! Mit Sprachaufnahmen in Stereo macht man sich nur unnötige Arbeit, (da man zwei Kanäle gleichzeitig bearbeiten muss). Mono-Aufnahmen sind leichter zu editieren und angenehmer im Stereo-Mix zu platzieren. Außerdem ist es quasi auch „Industriestandard“, dass Sprachdateien in Mono geliefert werden.

3. Störgeräusche finden

Oft sind es nur winzige Knackgeräusche, die eine Sprachaufnahme verunreinigen. Diese zu finden, stellt jedoch eine Herausforderung dar. Die meisten DAWs (Digital Audio Workstation) bieten ein so genanntes Scrubbing-Werkzeug an, mit welchem man die Störgeräusche aufspüren kann. Mit dem Scrubbing-Werkzeug kann man per Maus durch die Aufnahme navigieren und die Wellenform schnell oder langsam abfahren. Mit etwas Erfahrung lassen sich so die ungebetenen Gäste visuell in der Wellenform erkennen.

In der folgenden Abbildung sieht man, wie die unerwünschten Knackgeräusche in der Wellenform dargestellt werden.

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 1 - FilmMachen.de

Diese Knackgeräusche sind leicht an den kleinen, gezackten Ausschlägen der Wellenform zu erkennen.

4. Störgeräusche entfernen

Hat man wie oben beschrieben die Störgeräusche ausfindig gemacht, gibt es zwei gängige Methoden, diese zu entfernen. Ich persönlich versuche immer zuerst, die Geräusche durch Schneiden der Aufnahme zu entfernen. Diese Technik funktioniert in den meisten Fällen. Allerdings sollte man darauf achten, immer durch die Nulldurchgänge zu schneiden. Die Nulldurchgänge sind – wie der Name schon sagt – die Stellen der Wellenform, an welchen der Ausschlag 0 beträgt. Dort zu schneiden verursacht keine neuen Störgeräusche.

Sollte ein einfaches Herausschneiden der Störgeräusche die Aufnahme abgehackt klingen lassen, kann man mit dem folgenden Trick Abhilfe schaffen: Man fügt die Wellenform einfach an der Stelle des Schnitts wieder zusammen.

Im nächsten Screenshot ist dieselbe Stelle der Wellenform zu sehen, nur sind die beiden Störgeräusche herausgeschnitten worden und die Wellenform wurde einfach zusammengeschoben.

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 2 - FilmMachen.de

Sollte ein Herausschneiden der Störgeräusche nicht möglich sein, da die Qualität der Aufnahme darunter leidet, gibt es noch einen zweiten Trick: Viele DAWs erlauben ein direktes Editieren der Wellenform mit einem speziellen Werkzeug. Dieses sieht oft aus wie ein Stift und erlaubt eine direkte Anpassung des Verlaufs der Wellenform.

Hier sieht man noch einmal die Wellenform aus dem Beispiel von oben:

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 3 - FilmMachen.de

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Nun zeichnet man mit dem Stift-Werkzeug einfach die Wellenform glatt und entfernt auf diesem Weg die lästigen Störgeräusche.

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 4 - FilmMachen.de

Diese Technik erfordert ein ruhiges Händchen und etwas mehr Geduld als das herkömmliche Schneiden der Wellenform. Es gibt aber Fälle, in denen nur dieser Weg zum Ziel führt.

5. Abschwächen von scharfen S-Lauten

Unangenehm zischende S-Laute können eine Aufnahme ruinieren und stören das Gesamtbild. Zwar gibt es einige De-Esser-Plug-Ins, die versuchen, dieses Problem zu lösen – Oft beeinflussen diese aber die allgemeine Qualität der Sprachaufnahme eher negativ. Besser ist es, die zischenden Laute von Hand in den Griff zu bekommen und das funktioniert wieder mit einem sehr einfachen Trick.

Hier ist ein Beispiel eines scharfen S-Lauts zu sehen:

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 5 - FilmMachen.de

Der dunkel markierte Teil ist ein scharfer S-Laut, der unangenehm zischt. Durch einfaches Schneiden dieses Lauts kann man die Lautstärke gezielt herabsenken und nimmt dem S-Laut die Präsenz und damit die Schärfe.

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 6 - FilmMachen.de

Dies lässt sich auch per Lautstärke-Automation bewerkstelligen.

6. Herausfiltern unerwünschter Frequenzen

Oft befinden sich auf einer Sprachaufnahme Geräusche in Frequenzbereichen, die für den jeweiligen Einsatzzweck völlig unerheblich sind. Gerade im tiefen Frequenzspektrum, unterhalb von 100 Hz befindet sich kaum Relevantes.

Um diese Geräusche zu entfernen und die Balance des Mix besser zu halten, kann man diese Frequenzen ganz einfach mit einem Equalizer herausfiltern.

Sprachaufnahmen bearbeiten - Bild 7 - FilmMachen.de

Je nach Sprecher und Einsatzzweck entfernt man im Bereich zwischen 50 Hz und 120 Hz mit einem High-Pass-Filter die nicht benötigten Frequenzen. Hier gilt es, verschiedene Werte auszuprobieren, bis man zu einem wohlklingenden Ergebnis gelangt ist.

Fazit

Die genannten Tricks, sollten das Schneiden von Sprachaufnahmen schon ein wenig erleichtern. Am Ende gilt es wie immer, seinen Ohren zu vertrauen auch ein wenig herumzuschrauben. Mit etwas Übung wird das bald flott von der Hand gehen.

Hier ein Vergleich zwischen einer Sprachaufnahme vor und nach dem Bearbeiten.

Hier ist die Aufnahme ungeschnitten:


Und hier ist sie nach der Bearbeitung:


Euch allen noch viel Spaß beim Experimentieren. Wenn ihr selbst ein paar nützliche Tipps und Tricks zur Bearbeitung von Sprachaufnahmen auf Lager habt, schreibt gerne einen Kommentar!

(Artikelbilder: © André Löhle)


Dies ist ein Gastbeitrag von André Löhle.

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Über den Autor

Gastautor André Löhle

André Löhle produziert neben seinem Studium im Bereich Medien und Informationswesen für die Agentur adam medien und deren Website 48kilohertz.com, einem GEMAfreien Musikarchiv zur Vertonung von YouTube-, Produkt-und Imagefilmen.

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