Es ist wohl der Traum der meisten Filmstudenten: Die Teilnahme und Auszeichnung ihres Films bei den Studenten-Oscars in Amerika! Doch wie schafft man es, diesen weltweit begehrten Preis zu gewinnen?

Der Filmstudent und Regisseur Felix Ahrens konnte 2016 mit seinem Kurzfilm „Am Ende der Wald“ in Amerika überzeugen und gewann den Studenten-Oscar in Silber!

Ich habe mich im Interview mit Felix über seinen bisherigen Werdegang unterhalten und ihm die Frage nach seinem „Erfolgsrezept“ gestellt.

Hallo Felix. Bitte stelle dich meinen Lesern kurz vor.

Hi, ich bin Felix Ahrens. Ich bin 1986 geboren und komme gebürtig aus Stade in Niedersachsen. 2012 habe ich an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf angefangen Regie zu studieren. An die Filmhochschule selbst habe ich es erst nach endlichen Versuchen geschafft, denn 2010 und 2011 wurde ich überall abgelehnt und erst 2012 habe ich es geschafft angekommen zu werden. Also an alle, die das hier lesen und zunächst abgelehnt worden sind: Das ist mir auch passiert und das ist noch lange kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken!

Regisseur Felix Ahrens / Bild: © Courtesy of Ampas

Seit 2009 machst du Filme. Wie bist du dazu gekommen?

Im Jahr 2009 habe ich meinen allerersten Kurzfilm gedreht und zwar als Bewerbungsfilm für die Hochschule für Film und Fernsehen in München. Die hat mich jedoch direkt abgelehnt und nicht einmal zur Aufnahmeprüfung eingeladen. In München muss man immer ein Bewerbungsfilm zu einer bestimmten Aufgabenstellung machen. Das Thema dieser Aufgabenstellung war damals „Ein wenig Wärme für die Nacht.“

Der Film ist zwar nicht gut geworden, aber ich habe auch schon schlechtere Bewerbungsfilme gesehen. Rückwirkend verstehe ich aber nun, warum man mich abgelehnt hat. Einige Jahre später hat es dann woanders geklappt und so bin ich zum Film gekommen.

Was genau fasziniert dich so an der Arbeit als Regisseur?

Regie ist einfach alles: Regie ist, dass du morgens gut vorbereitet ans Set kommst, dass du alles über den Tag weißt und dass du alle Bilder im Kopf hast. Dazu gehört auch, dass du mit deinem Kameramann bereits alles besprochen hast. Regie ist jedoch auch, wie du morgens ans Set kommst: Dazu zählt, dass du die Namen aller deiner Crewmitglieder weißt, dass du sie „abholst“, also eine positive Stimmung verbreitest und dass du die Leute für deinen Film begeistern kannst.

Manchmal gibt es diese seltenen Momente, wo du eine Szene inszenierst, die dir total wichtig ist und sie funktioniert. Es knistert förmlich. In der Luft liegt dann so eine Spannung und es bringt mich zum „kochen“. Ich kann es kaum beschreiben. Es ist einfach ein geiles Gefühl zu sehen, dass eine Szene, auf die du solange gewartet hast, einfach aufgeht. Und nicht nur das, sondern dass sie vielleicht sogar noch besser wird, als du sie dir vorgestellt hast. Später gelangt diese Szene auf die Leinwand und ein paar Leute schauen sich das an. Und mit etwas Glück kommen danach die Leute zu dir und sagen, dass sie das berührt hat. Gibt es etwas Geileres als das? Ich glaube nicht! Und das beste an der Regie ist, dass es die Fusion aus allen Kunstformen ist: Film ist für mich die modernste und krasseste Kunstform, die es überhaupt gibt, weil es alle Kunstformen zusammenbringt. Film ist Literatur, Fotografie, Schauspiel, Musik – Einfach alles ist in dieser Kunstform vorhanden und das macht sie zwar für mich zur schwierigsten Kunstform, aber auch gleichzeitig zur wichtigsten und schönsten.

Was sind für dich die großen Herausforderungen beim Filmemachen?

Das Filmemachen selbst ist eigentlich immer eine wahnsinnige Herausforderung. Ich denke, zunächst ist ein große Herausforderung immer am Ball zu bleiben.

Ich habe zum Beispiel gerade das Problem, dass ich mit einem geplanten Kinofilm in die Förderungsphase gehen wollte und jetzt müssen wir das ein paar Monate verschieben, weil das Drehbuch einfach noch nicht soweit ist. Und das stimmt auch, da muss ich der Redaktion Recht geben. Und jetzt heißt es einfach nicht aufgeben, auch wenn wir im Prinzip von vorne anfangen müssen. Man darf einfach niemals aufgeben, im Großen aber auch im Kleinen, wie zum Beispiel bei einer Bewerbung an einer Filmschule. Bei mir hat es beim ersten Mal nicht funktioniert, beim zweiten Mal nicht, beim dritten Mal nicht und dann erst beim vierten Mal! Ich habe also vier Versuche gebraucht, um aufgenommen zu werden. Und genau darum geht es:

Eine der größten Herausforderungen ist niemals aufzugeben und immer am Ball zu bleiben!

Dann gibt es noch eine andere große Herausforderung. Manchmal passieren nämlich am Dinge am Filmset, die das ganze Projekt in Gefahr bringen können. Zum Beispiel habe ich es oft erlebt, dass Crewmitglieder aus verschiedenen Abteilungen „zusammenklappen“. Bei einem Projekt war es ein Produzent, bei einem anderen ein Kameramann, die ein Burn-Out hatten. Der Produzent musste zwei Wochen vor Drehbeginn aussteigen, der Kameramann sogar während der Drehphase. Das war der Horror. Beim meinem letzten Projekt für den ZDF ist auch mal ein Praktikant spurlos verschwunden, was einen Großeinsatz der Polizei auslöste. In solchen Situationen heißt es ruhig zu bleiben und die Nerven zu behalten. Das ist eine große Kunst und Herausforderung für sich.

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Doch die wohl größte Herausforderung für mich als Regisseur ist, immer fokussiert zu bleiben. Und das zu 100% in jeder Situation, denn wenn du nur 10 Minuten eines Drehtages nicht aufmerksam bist, musst du später im Schnitt „die Scheiße ausbaden“ und dem Produzenten oder Cutter erklären, warum die Szene nicht aufgeht, warum du nicht konzentriert warst. Denn am Ende interessiert sich keiner dafür, ob dein Kameramann ein Burn-Out hatte oder irgendwer zu spät gekommen ist. Für den Film bist du verantwortlich. Und das ist wohl das schwierigste beim Filmemachen: Den Druck auszuhalten und immer fokussiert zu bleiben.

Im Jahr 2016 wurde dir für „Am Ende der Wald“ der Studenten-Oscar in Amerika verliehen. Wie kam es dazu?

2016 war bis dato das wahrscheinlich schönste Jahr in meinem Leben. Privat aber vor allem beruflich, da ich den Studenten-Oscar, offiziell: Student Academy Award, gewonnen habe. Dies kam durch meine Filmhochschule. Und zwar ist es so, dass jede Filmhochschule der Welt dazu berechtigt ist, einen Beitrag zu den Studenten-Oscars nach Amerika zu schicken. Knapp 2000 werden dort eingereicht, 7 werden nominiert und nur 3 Filme werden ausgezeichnet. In Silber, Bronze und Gold. Und ich hatte das Glück Silber zu gewinnen, was auch jetzt noch für mich unglaublich ist, denn der Studenten-Oscar ist so ziemlich die höchste Auszeichnung, die man als Filmstudent gewinnen kann.

Natürlich hatte ich den Traum zu gewinnen und man malt sich das gern mal in Gedanken aus. Aber jetzt mal unter uns: Davon geht man ja nicht realistisch aus. Dafür spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle. Doch ich hatte viel Glück und der Preis hat vieles für mich verändert. Er war eine Art Startrampe. Doch er hat leider nicht dafür gesorgt, dass jetzt alles von alleine funktioniert. Ich muss immer noch jeden Tag für meinen Traum kämpfen.

Quelle: YouTube / © Courtesy of Ampas

Gibt es deiner Meinung nach so etwas wie ein „Erfolgsrezept“?

Ein einfaches Erfolgsrezept gibt es natürlich nicht. Doch ich kann sagen, dass ich alles was ich gemacht habe, genauso wieder machen würde. Denn jeder junge Leser muss davon ausgehen, dass wenn er sich heute dafür entscheidet Regisseur zu werden, circa 10 Jahre kämpfen muss, bis er an einem Filmset steht und für seine Arbeit bezahlt wird.

Es geht darum sich einen Überblick über die Arbeit und das Leben am Filmset zu verschaffen, zu verstehen, wie die Zahnräder an einem Filmset ineinandergreifen.

Denn wenn du an eine Hochschule gehen willst, würde ich immer erst empfehlen locker 2-3 Jahre verschiedene Praktikumserfahrungen zu sammeln und das in möglichst allen Abteilungen: Als Produktionsfahrer, als Ausstattungshilfe, als Kamerapraktikant, als Produktionsassistent oder als Set-Runner. Es geht darum sich einen Überblick über die Arbeit und das Leben am Filmset zu verschaffen, zu verstehen, wie die Zahnräder an einem Filmset ineinandergreifen. Und erst danach sollte man auf eine Filmhochschule gehen, denn erst dann kann man die Filmhochschule richtig nutzen. Hat man keinerlei Erfahrungen und geht an eine Filmschule, verschwendet man seine Zeit. Ganz einfach.

Es ist also sehr wichtig, erst 2-3 Jahre (Minimum!) Praktikumserfahrung zu sammeln und erst dann an die großen Filmhochschulen zu gehen. Das ist die München, Babelsberg, DffB Berlin Filmakademie Ludwigburg. Sehr gut sind auch die Hamburg Media School, die KHM Köln und von den privaten würde ich noch die IFS empfehlen. Und dann kommt erst einmal nichts mehr. Außer man möchte mehr in Richtung Kunstfilm gehen, dann ist auch die HFBK Hamburg oder an die Kunsthochschule Kassel empfehlenswert. Doch wer große TV- oder Kinofilme machen will, sollte sich wirklich an die großen Filmhochschulen wenden. Wurde man dort angekommen, studiert man dort erstmal 4-6 Jahre. Hat man also 3 Jahre Praktika absolviert und dann 5 Jahre studiert, kommt man schon auf 8 Jahre. Und dann orientiert man sich meistens noch 2-3 Jahre. Und schon sind wir bei den anfangs erwähnten 10 Jahren, die man mindestens braucht. Davon muss jeder Leser hier ausgehen: Regisseur zu werden ist ein langer, langer, langer Prozess, an dem man sich auch die Zähne ausbeißen kann.

Ich kenne viele Kommilitonen, die schon 15 Jahren dabei sind und es immer noch schwierig haben und die Regie an den Nagel hängen. Die Konkurrenz ist einfach unglaublich groß. Das muss man wissen, wenn man Regisseur werden will. Man sollte also nicht den einfachen Weg gehen und sich an einer privaten Hochschule „einkaufen“, denn man muss sich immer mit den besten messen und die sind nun mal auf den großen Hochschulen. Es ist zwar nicht unmöglich, doch der Weg wird noch schwieriger.

Wohin soll es in Zukunft gehen? Welche Pläne hast du?

Aktuell bin ich tatsächlich noch an meiner Filmhochschule eingeschrieben und arbeite an einem ersten Kinofilm. Dieser hat zwar nichts mehr direkt mit der Filmhochschule zu tun, aber ich möchte ihn mir gerne als Abschlussfilm anrechnen lassen. Es gibt auch einen zweiten Film, den ich so langsam anrollen lasse. Doch wahrscheinlich werde ich mein Debüt erst 2019 drehen und den zweiten Film erst 2020 oder 2021. Also wenn es gut läuft 🙂

Die Kinoregie ist definitiv mein Ziel, auch wenn ich die TV-Regie sehr schätze. Durch meinen Studenten-Oscar hatte ich das Glück, dass ein Produzentin auf mich aufmerksam wurde und ich so 2 Folgen der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ drehen durfte. Das hat mir einen riesen Spaß gemacht, auch wenn der Druck sehr groß war. Doch ich bin mit einem sehr positiven Gefühl aus der Produktion gegangen und möchte diese Art der Regie gerne weitermachen. In einer perfekten Welt möchte ich sowas gerne hauptberuflich machen und alle 4-5 Jahre einen Kinofilm herausbringen. Das wäre natürlich perfekt. Ob das dann klappt… Naja, dass könnt ihr mich dann in ein paar Jahren fragen 🙂

Vielen Dank Felix für das Interview!

Bilder: © Courtesy of Ampas
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