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Im Sommer 2014 absolvierte ich eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Bremen (Niedersachsen).

Die dreijährige Ausbildung endet neben den Abschlussprüfungen mit der Erstellung eines Abschlussfilms nach einem vorgeschriebenen Thema und festgesetzten Vorgaben.

Und auch ich musste natürlich einen Film produzieren. Das Thema im Jahr 2014 war „Stille“. Nun wird es Zeit, meinen Abschlussfilm einmal genauer vorzustellen.

Deswegen spreche ich in diesem Artikel über meinen Abschlussfilm „David“, die Vorgaben und Bewertungskriterien und darüber, was ich das nächste Mal anders machen würde.

Der Abschlussfilm „David“

Von 2011 bis 2014 absolvierte ich eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Niedersachsen und Bremen.

Bereits während meiner Ausbildung entwickelte ich die ersten Vorstellungen für meinen Abschlussfilm: Es sollte auf jeden Fall ein szenischer Kurzfilm im Genre Drama werden.

Leonard Naß als „David”

Nach 2,5 Jahren Ausbildung begannen wir im Dezember 2013 an der Wilhelm-Wagenfeld Berufsschule mit der Planung der ersten Ideen für unsere Abschlussfilme. Bis Ende April 2014 mussten handfeste Unterlagen bei der Handelskammer zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden. Dazu zählten vor allem Exposé, Treatment, Produktions- und Drehplan.

Nach der langen Planungsphase ging es dann endlich los: Vom 22.05 – 24.05.2014 fanden im Raum Bremen die Dreharbeiten statt. Innerhalb von wenigen Tagen wurde der Film zusammengeschnitten und bearbeitet. Nach über 4 Monaten Planung- und Produktionszeit wurde der Film schließlich am 02.06.2014 fertiggestellt.

Doch worum geht es eigentlich in „David“?

Handlung

Der siebzehnjährige Schüler David hat eine sprachliche Beeinträchtigung. Er stottert sehr stark und hat Probleme, richtig zu sprechen.

Zwar besucht er eine Inklusionsschule, dennoch hat er dort viele Schwierigkeiten und selbst seine Familie prägt die Angst um seine Zukunft. Doch als David eines Tages in der Schule ein neues Mädchen bemerkt, beginnt sich seine Situation zu verändern…

David – Abschlussfilm Mediengestalter Bild und Ton

Weitere Informationen zum Film

Im Folgenden findet man weitere Informationen zu den Vorgaben der Handelskammer, allen technischen Details, dem verwendeten Equipment, sowie der Besetzung und den Mitwirkenden. Dazu einfach den passenden Reiter auswählen und schon werden die gewünschten Informationen angezeigt.

Bei falschen oder fehlenden Daten bitte das Kontaktformular nutzen.

Voraussetzungen und Vorgaben:

  • Thema: Stille
  • Länge: 2,5 – 4min
  • Produktionszeitraum: max. 18 Stunden in einem Zeitraum von 2 Wochen
  • Assistenten: max. 2 Assistenten (nur Auszubildende Mediengestalter Bild und Ton)
  • Alle wichtigen Aufgaben müssen selbst übernommen werden (Regie, Kamera, Schnitt)
  • Termingerechte Anfertigung von Exposé, Treatment, Produktions- und Drehplan, Produktionsbericht
  • Einholen von Drehgenehmigungen und Einverständniserklärung vor Produktionsbeginn
  • Produktion innerhalb von 100km rund um die Berufsschule „Wilhelm Wagenfeld“
  • Exportfile als HD 1080/25i, Apple ProRes 422 im .mov Container (oder Daten-DVD)

Freigestellt war:

  • Wahl des Genres
  • Verwendete Technik
  • Story

Technische Details:

  • Aufnahmeformat Kamera: HD 1080/25p, Apple ProRes 422 (HQ)
  • Ausgabeformat / Master: HD 1080/25i, Apple ProRes 422
  • Länge: genau 4:00 Min (ohne Vor- und Abspann)
  • Kamera: Black Magic Cinema
  • Schnittsystem: Adobe Premiere CSS

Verwendetes Equipment:

  • Blackmagic Cinema Camera
  • Objektivkoffer Zeiss / Canon
  • Stativ Sachtler
  • SSD Karte 480GB (+240GB)
  • Tonangel
  • Schoeps/Sennheiser Mikrofone
  • Ton Mischer (Sound Device)
  • dedolight/Arri Lichtkoffer

Besetzung (Cast):

  • Leonard Naß (David)
  • Jana Petersen (Sofia)
  • Benedik Voigt (Nerd)
  • Doris Schnarre (Davids Mutter)
  • Jonathan Steil (Schüler im Schulhof)
  • Sonja Bartels (Schülerin im Schulhof)
  • FOS Klasse (Schulklasse)

Mitwirkende (Crew):

  • Jonathan Steil (Kamera- und Schnittassistenz)
  • Sonja Bartels (Ton und Schnittassistenz)
  • Phoebe Koch (Stoffentwicklung und Organisation)
  • Benedikt Voigt (Produktionsfahrer und Organisation)
  • Avilux Event Design GmbH (Equipment und Postproduktion)

Dank an:

  • Wilhelm Wagenfeld Schule
  • Phoebe Koch
  • Avilux Event Design GmbH
  • Meine Familie

Bewertungskriterien – Abschlussfilm Mediengestalter Bild und Ton

Der Abschlussfilm wurde von der Handelskammer Bremen anhand von verschiedenen Bewertungskriterien beurteilt und bewertet. Diese Kriterien waren:

  • Allg. Einschätzung: Gesamtwirkung / Stärken des Stücks? / Mängel des Stücks?
  • Redaktionelle Idee/ inhaltliche Umsetzung / dramaturgischer Aufbau
  • Kameratechnische Bildqualität / Kameraführung / Bildkomposition / Lichtgestaltung
  • Bildschnitt / Farbkorrektur / 2- und 3D-Animationen / Effekte
  • Tonaufnahmen / Tonschnitt / Tonmischung
  • Verspätete Abgabe?
  • Technische Parameter
  • Schriftliche Planungs- und Produktionsunterlagen
  • Gespräch über den Film

Alle Punkte zusammen ergeben dann eine Gesamtbewertung. Leider konnte man bei der Bewertung im Nachhinein nicht genau nachvollziehen, wie viele Punkte für jedes einzelne Kriterium vergeben wurden.

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Bewertung und Filmnote

Insgesamt erhielt mein Film „David“ eine Gesamtbewertung von 97%, was einer Note von 1 (Sehr Gut) entspricht.

Das ist aber nicht automatisch auch die Abschlussnote meiner Ausbildung. Diese Note setzt sich folgendermaßen zusammen:

  1. Produktionsaufgaben (1. Teil Abschlussfilm und 2. Teil Praktische Aufgabe): 50%
  2. Produktionsorganisation, -technik und Gestaltung: 25%
  3. Medienwirtschaft: 15%
  4. Wirtschafts- und Sozialkunde: 10%

Nun muss man fairer Weise sagen, dass sich die praktische Note aus dem Abschlussfilm (50%) und einer praktischen Produktionsaufgabe (50%) zusammensetzt. Diese beiden Aufgaben ergeben dann erst die Note für die Produktionsaufgaben.

Das heißt, der Abschlussfilm wird nicht separat im Abschlusszeugnis festgehalten. Dort steht dann nur die Gesamtnote für die Produktionsaufgaben, sowie die anderen drei Bewertungsfelder (s.o.).

So wurde mein Film zwar mit 97% bewertet, meine praktische Produktionsaufgabe aber nur mit 81%, sodass ich insgesamt im Abschlusszeugnis 89% im Bereich „Produktionsaufgaben“ stehen habe. Insgesamt habe ich die Ausbildung mit 80% bestanden.

Achtung: Diese Bewertungskriterien wurden Mitte 2014 in der Hansestadt Bremen verwendet. Da Bildung aber bekanntlich „Ländersache“ ist, können diese Kriterien von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aussehen.

Was ich das nächste Mal anders machen würde

Es ist zwar schon eine Weile her, dass ich den Film gemacht habe, aber ich habe dennoch Einiges daraus gelernt.

Auch wenn ich mit der Gesamtbewertung ganz zufrieden bin, so gibt es doch einige Dinge, die ich „das nächste Mal“ anders machen würde.

Die wichtigsten Punkte möchte ich im Folgenden kurz auflisten, sodass auch zukünftige Mediengestalter Bild und Ton aus diesen Fehlern lernen können.

Produktionsvorbereitung und Organisation

Die meisten Fehler habe ich vermutlich bei der Produktionsvorbereitung gemacht. Dazu zählt alles von der Erstellung des Drehbuchs, bis hin zur Organisation von Drehorten und Schauspielern.

Denn wenn man in der Berufsschule so langsam mit den ersten Ideen für die Abschlussfilme anfängt, denkt man sich schnell: „Ach, ich hab ja noch ein paar Monate Zeit, wozu also der Zeitdruck?“

Doch dieser Gedanke kann auch schnell schiefgehen, so wie (fast) in meinem Fall.

Wer also einen etwas aufwendigeren Film drehen möchte, sollte lieber früh mit der Planung anfangen. So vermeidet man späteren Zeitdruck und qualitativ schlechte Ergebnisse.

Schauspieler

Jana Petersen (rechts) als „Sofia“

Die Qualität der Schauspieler spielte zwar im Abschlussfilm keine große Rolle, da Schauspiel nicht extra bewertet wurde, dennoch würde ich beim nächsten Mal auch in diesem Punkt etwas anders machen. Schließlich trägt das Schauspiel durchaus ein Großteil zum Gesamteindruck bei und dieser war wiederrum ein Kriterium der Film-Bewertung.

Die Hauptdarsteller (Leonard Naß & Jana Petersen) brachten zwar erste Theater- und Filmerfahrung mit und machten ihre Sache wirklich gut, dennoch hätten „echte“ Schauspieler vermutlich noch mehr Authentizität in die Story gebracht. Dasselbe gilt für die Nebenrollen.

Aus diesem Grund würde ich für den nächsten Film nicht ausschließen, den Film mit „echten Schauspielern“ zu drehen.

Wetterbericht

Da mir das Wetter fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, werde ich bei den nächsten Produktionen den Wetterbericht früher und vor allem regelmäßiger lesen:

Denn nur zwei Tage vor dem eigentlichen Dreh musste ich mit Entsetzen feststellen, dass sich der Wetterbericht spontan geändert hatte und es jetzt genau an dem einzigen Außendrehtag zu 80% regnen sollte.

Die Folge: Ich musste alles innerhalb eines Tages verschieben und neu organisieren. Hätte ich den Wetterbericht regelmäßiger gelesen, hätte ich mir eine Menge Ärger und Stress gespart. Zum Glück lief aber alles unerwartet glatt.

Postproduktion

Bei der Postproduktion würde ich mir das nächste Mal etwas mehr Zeit lassen, auch wenn dieses Mal die Produktionszeit streng vorgeschrieben war.

Doch zunächst muss ich sagen, dass man in 18 Stunden Produktionszeit definitiv nicht das machen kann, was man wirklich möchte. Wer auch immer diese Zeit vorgeschrieben hat, ist nicht von einem „szenischem Kurzfilm“ ausgegangen, sondern eher von EB-Produktionen.

Deswegen sollte man gezielt nach Projekten ohne großen Zeitdruck suchen. Denn wer mehr Zeit hat, hat auch mehr Zeit, alles richtig zu machen.

Fazit

Die Produktion eines Abschlussfilms bedeutet in den meisten Fällen viel Arbeit – sei es für ein Studium oder für eine Ausbildung.

Vor allem die Vorproduktion (Pre-Production) nimmt oft mehrere Monate in Anspruch.

Aus diesem Grund sollte man sich darauf einlassen, schon sehr früh mit den ersten Planungen zu beginnen. Außerdem ist es hilfreich, sich immer wieder Feedback von neutralen Personen (nicht Freunde oder Familie) zu holen, denn wer zu sehr in seiner Materie steckt, übersieht häufig offensichtliche Schwachstellen. So vermeidet man auch die häufigsten Kurzfilm-Anfängerfehler.

Für mich war es wirklich eine unglaubliche Erfahrung zu sehen, wie aus der eigenen Idee nach monatelanger Arbeit etwas Greifbares, etwas Sichtbares und etwas Echtes wird.

Deswegen an dieser Stelle noch mal vielen Dank an alle Beteiligten: Ohne euch, wäre das Projekt so nicht möglich gewesen!

Und natürlich viel Glück an alle zukünftigen Mediengestalter Bild und Ton für ihre Abschlussfilme!

Was ist eure Meinung zum Thema Abschlussfilme? Wie hat euch „David“ gefallen?

Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

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Über den Autor

Daniel Negenborn
Filmstudent
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Hi, mein Name ist Daniel A. Negenborn. Ich bin Filmstudent, Mediengestalter Bild und Ton, Hobbyfotograf und Blogger - Hier im Blog schreibe ich über alles, was mit dem Thema Filmemachen zu tun hat. Dabei teile ich u. a. meine eigenen Erfahrungen und Kenntnisse, gebe Tipps & Tricks zum selbstständigen Filmen und stelle angehende Filmemacher vor.

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3 Responses

  1. Fee Hoopmann

    Ich finde, du hast deinen Kurzfilm sehr gut umgesetzt. Die Story hast du zwar nicht neu erfunden, aber dennoch war der Film sehr gefühlvoll und berührend. Man sieht, dass du viel Wert auf Details gelegt hast und die Auswahl deiner Hauptrollen fand ich auch gut!
    Negativ aufgefallen ist mir, dass die Lippenbewegungen und Handlungen wie das Klopfen an der Tür zeitversetzt zum Ton waren. Ich weiß jetzt nicht, ob es an meiner Internetverbindung liegt, wenn ja, dann habe ich keine Kritikpunkte.

    Antworten

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