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Home»Kennst du schon...?»Interviews»Regieassistent Arben Ljikovic im Interview: Film ist wie eine Wundertüte

Regieassistent Arben Ljikovic im Interview: Film ist wie eine Wundertüte

von Daniel Negenborn19. März. 20185 Min. Lesezeit
© Arben Ljikovic
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1. Regieassistenz – Wer vermutet, dass sich hinter diesem Begriff nur ein einfacher Assistenzjob verbirgt, irrt sich gewaltig: Regieassistenten sind unverzichtbare Mitarbeiter für den Regisseur und den ganzen Film. Doch wie ist eigentlich die Arbeit als Regieassistent?

Regieassistent Arben Ljikovic arbeitet seit 10 Jahren in diesem Beruf und hat in seiner Laufbahn bei diversen Produktionen unzählige Erfahrungen gesammelt.

Ich habe mich mit Arben über seinen Werdegang, die Arbeit beim Film und die Voraussetzungen als Neueinsteiger unterhalten.

Interview mit Arben

Hallo Arben, bitte stelle dich und deine Geschichte kurz vor.

Moin, ich heiße Arben Ljikovic, ich bin 41 Jahre alt und wohne in Berlin. Ich arbeite beim Film und in „irgendwas mit Medien“ seit 1999. Die Vorgeschichte zu meinem ersten Job ist etwas kompliziert, aber ich fasse es kurz zusammen: Mein erster Job war als freier Kandidaten-Casting-Redakteur für diverse TV Shows. Da ergab sich innerhalb des Unternehmens für das ich tätig war, eine Stelle als Assistent der Set-Aufnahmeleitung. Den habe ich natürlich angenommen und landete auf einmal am Set einer szenischen Comedy-Show.

Und so lief langsam die Maschine an, das Interesse wurde geweckt und ich arbeitete für ca. 7 Jahre in der Set-Aufnahmeleitung. Irgendwann rief mich ein alter Regisseur an und fragte, ob ich nicht nach Berlin ziehen mag, um sein 1. Regieassistent zu werden.

Heute, 10 Jahre später, sitze ich in Berlin-Neukölln in meiner Küche und beantworte deine Fragen und bin immer noch als 1. Regieassistent tätig.

Auf welche Formate/Genres hast du dich spezialisiert und warum?

Wenn ich so meine Vita durchblättere fällt mir auf, dass ich überwiegend Serien gedreht habe. Ich glaube, warum meine Vita so ausschaut ist leicht zu begründen:

  • Der Film und die Werbung sind gut besetzt und so viele Filme werden in Deutschland nicht gedreht, als das davon alle leben können.
  • Serien garantieren längere Projekte, mehr Arbeitstage und kontinuierliches Gehalt sowie bessere Planbarkeit.
  • Kunstfilme und Arthouse habe ich schon gedreht, warte aber bis heute auf meine Gage.
  • Wenn man Autodidakt ist, wie ich es bin, sind Serien die beste Schule.

Ich arbeite wirklich gerne und mag Abwechslung, denn durch ein ständig wechselndes Team lernt man viele gute und erfahrende Kollegen kennen und merkt ganz schnell, was für ein Mensch man selbst ist. Und was am schönsten ist – außerhalb des ganzen Drumherum –  Wenn jedem Mitarbeiter gewiss wird, dass mit jeder geschlagenen Klappe später unser Bemühen überall auf den Flatscreens zu sehen sein wird.

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Was genau fasziniert dich so an dieser Arbeit?

Ein Regisseur der alten Schule sagte mal zu mir: „Arben, was interessiert mich der Scheiß, den ich vorhin gesagt habe?!“ Stimmt eigentlich oder? Ganz gleich, wie viele Drehpläne, Dispositionen oder Shotlisten ich geschrieben habe und egal, wie viele Bücher ich gelesen habe: Die Arbeit und die Prozesse bleiben immer die Gleichen, alles andere ist immer neu… Dies fasziniert mich jeden Tag immer wieder aufs Neue.

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen dabei?

Wenn sich ein Filmprojekt formiert, kommen Befindlichkeiten, „Positionspoker“ und Egos zu Tage. Man muss wissen, dass sich Emotionen, Stress und verschiedene Egos zu einem entflammbareren Cocktail vermischen können. Film ist wie eine Wundertüte: Aufgepasst beim Aufmachen!

Beim Arbeiten lernt man immer neu seinen Standpunkt/Position zu verteidigen und auch einzusehen, dass es sich manchmal einfach nicht lohnt zu diskutieren. Denn über allem steht immer das Projekt und damit auch jeder einzelner Mitarbeiter.

Ein Beispiel: Wenn ich meine fünf Minuten über die Arbeit streiten zu müssen. Dann steht das ganze Set für fünf Minuten still und unterm Strich bleiben fünf Minuten, die jeder später nach Hause kommt als fader Beigeschmack zurück… Eine der größten Herausforderungen ist es also, persönliche Befindlichkeiten zu ignorieren und sich gleichzeitig immer voll und ganz für das Projekt einzusetzen. Und dies gilt bei jedem Projekt neu.

Wohin soll es in Zukunft gehen? Welche Pläne hast du?

In Zukunft würde ich gerne selbst Regie führen. Und wie jeder andere natürlich auch ein eigenes Buch produzieren und verfilmen. Eigentlich sind meine Träume genau die gleichen wie Eure und für viele andere Filmschaffende.

Zum Schluss noch eine Frage: Was würdest du angehenden Filmemachern empfehlen?

Auf jeden Fall eine gehörige Portion Realismus, Willen, Ausdauer sowie Flexibilität.

Ganz im Ernst: Der Job ist toll und macht furchtbar viel Spaß, ist aber auch echt anstrengend. Allein die ständige Ungewissheit, wie es weiter geht.

Wann kommt ein Job? Gefällt mir der Job? Wie bezahle ich meine Rechnungen? Wie organisiere ich mein Privatleben und wann kann ich mir mal einen Urlaub gönnen oder ein Auto leisten? Das sind alles Fragen, die Ihr Euch unter Garantie stellen werdet. Doch wenn Ihr damit klarkommt, dann ist „Irgendetwas mit Medien“ genau das Richtige für Euch.

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Daniel Negenborn
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Daniel ist Gründer und Autor von FilmMachen.de. Der gelernte Mediengestalter Bild und Ton studierte Regie für Film und Fernsehen und arbeitet seitdem hauptberuflich als Filmschaffender in Deutschland. Im Blog schreibt er über alles, was mit dem Filmemachen zu tun hat.

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