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Home»Film-Grundlagen»Bildgestaltung»Die Wahl der Kamera: Kameraführung im Film – Teil 2

Die Wahl der Kamera: Kameraführung im Film – Teil 2

von Daniel Negenborn9. März. 20153 Kommentare8 Min. Lesezeit
ARRI Kameramann im Feld - Kameraführung im Film
© D. N.
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Die richtige Kamera für den eigenen Film zu wählen ist keine leichte Aufgabe. Schließlich haben die verschiedenen Kameratypen unterschiedliche Vor- und Nachteile in der Qualität, im Funktionsumfang und bei der Bedienung.

Leider wird die Wahl der Kamera viel zu oft auf die Kostenfrage reduziert – Auch wenn das sicherlich ein wichtiger Punkt ist, so gibt es auch andere Kriterien, die man bei der Wahl der Kamera unbedingt beachten sollte.

Aus diesem Grund beschäftige ich mich in diesem Artikel genauer mit der Wahl der richtigen Kamera für einen Film und gehe auf die verschiedenen Vor- und Nachteile unterschiedlicher Kameratypen ein.

  1. Kamerabewegungen im Überblick
  2. Die Wahl der Kamera: Kameraführung im Film – Teil 2
  3. Der Kameraschwenk: Kameraführung im Film – Teil 3
  4. Richtig Zoomen: Kameraführung im Film – Teil 4
  5. Die Handkamera: Kameraführung im Film

Die Wahl der Kamera

Wer einen eigenen Film drehen möchte, muss sich früher oder später für eine passende Kamera entscheiden. Dabei ist die Wahl der Kamera sicherlich keine leichte Entscheidung, denn die verschiedenen Kameratypen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Doch bevor ich auf die einzelnen Vor- und Nachteile der jeweiligen Kameratypen eingehe, gibt es zunächst die wichtigsten Kriterien, die man immer bei der Wahl einer Kamera beachten sollte.

Die wichtigsten Kriterien sind:

Die Kosten

bild-filme-drehen-ohne-geld
© V. Drießen

Eines der wohl wichtigsten Kriterien bei der Wahl der Kamera sind die Kosten. Denn während man eine DSLR bereits für ein paar Hundert Euro bekommen kann, kosten professionelle Filmkameras oft deutlich mehr als ein durchschnittliches Auto.

Doch bedeuten mehr Ausgaben auch immer mehr Qualität? – Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten, denn es hängt natürlich immer davon ab, was man mit der Kamera machen möchte.

Deswegen sollte man sich zunächst immer darüber im Klaren sein, was man genau machen möchte, bevor man für viel Geld eine unnötig teure Kamera ausgibt.

Abgesehen davon, gibt es oft auch die Möglichkeit, eine gute Kamera zu leihen und so Kosten zu sparen.

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Der Funktionsumfang

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Funktionsumfang. Denn was bringt einem die beste Kamera, wenn man damit nicht das umsetzen kann, was man sich vorgenommen hat?

So mangelt es zum Beispiel bei den meisten Camcordern am sog. Filmlook (geringe Tiefenschärfe) und kaum eine Spiegelreflexkamera verfügt serienmäßig über Funktionen, wie Zebra oder Peaking.

Man sollte sich also vorher immer über alle Funktionen und Möglichkeiten der Kamera informieren, damit man sich später nicht ärgert, wenn eine bestimmte Funktion fehlt.

Die Bedienungsmöglichkeiten

Genauso wichtig wie der Funktionsumfang, sind die unterschiedlichen Bedienungsmöglichkeiten einer Kamera. Diese können je nach Kameratyp sehr unterschiedlich ausfallen.

Das hat den Nachteil, das sich nicht jede Kamera gleich leicht bzw. schwer bedienen lässt. Man sollte also auch immer darauf achten, wie man die Kamera bedienen kann und inwiefern sich die Bedienung variieren lässt. Schließlich kann es passieren, dass man durch nötiges Zusatz-Equipment (z.B. Schulter-Rig) bei der Bedienung beeinträchtigt wird.

Besser ist es also, sich vorher genau zu informieren. So verhindert man auch später ungewollte böse Überraschungen bei der Bedienung der Kamera.

Filmkamera - Kameraführung im Film
© MatthiasEightyfour

Das Handling

Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Wahl der Kamera ist das Handling. Dazu gehört neben der Größe und dem Gewicht der Kamera auch die Möglichkeit, das Handling individuell anzupassen. Leider ist das nicht bei jedem Kameratyp möglich.

So gibt es zum Beispiel bei einem Camcorder deutlich weniger Handling-Möglichkeiten, als bei einer professionellen Filmkamera, die sich individueller anpassen lässt. Doch auch bei den verschiedenen Kameratypen selbst kann es deutliche Handling-Unterschiede geben.

Daher ist es immer ratsam, sich bei der Wahl einer Kamera auch das Handling genauer anzuschauen.

Zusatz-Equipment?

Jeder der schon einmal eine Kamera gekauft hat, kennt das: Man braucht neben der Kamera selbst noch unzähliges Zusatz-Equipment.

Zum Beispiel, wenn man mit einer Spiegelreflexkamera mit Videofunktion filmen möchte. Neben weiteren Objektiven benötigt man oft Rig, Follow-Focus, Adapter, Bildschirm, Matte-Box etc.

Da kann es schnell passieren, dass das Zusatz-Equipment mehr kostet, als die eigentliche Kamera.

Deswegen sollte die Frage nach dem benötigtem Zusatz-Equipment bei der Wahl einer Kamera immer bedacht werden.

Muss man sich auf eine Kamera festlegen?

Sich für eine Kamera zu entscheiden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man sich für einen Kameratyp entscheiden muss. Ganz im Gegenteil: In den meisten Filmen kommen mehrere Kameratypen zum Einsatz, je nach Situation und gewünschter Wirkung.

So werden mittlerweile sogar in Hollywood-Produktionen u.a. Spiegelreflexkameras für Stunts eingesetzt, damit man nicht die teureren Kameras einer Gefahr aussetzen muss und so das Risiko für unnötige Kosten reduziert.

Ein weiteres Beispiel sind Zeitlupen-Aufnahmen, die im professionellen Film meistens mit einer Phantom-Kamera umgesetzt werden. Diese Kamera kann mehrere 1000 Bilder pro Sekunde aufnehmen und wurde extra für diesen Zweck entwickelt.

Es ist also durchaus üblich, verschiedene Kameratypen für einen Film einzusetzen.

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass verschiedene Kameratypen auch einen unterschiedlichen Look haben können. Da kann es trotz Nachbesserung in der Post-Produktion zu sichtbaren Bild-Unterschieden im späteren Film kommen. Das sieht meistens nicht schön aus und kann dafür sorgen, dass der Zuschauer aus dem Film herausgerissen wird.

Aus diesem Grund gilt: Man sollte sich vorher genau überlegen, mit welcher Kamera man was dreht, damit es später nicht zu Problemen in der Post-Produktion kommt. Sollte man verschiedene Kameratypen einsetzen wollen, ist es immer ratsam, vorher die verschiedenen Bilder zu vergleichen und zu schauen, inwiefern sie sich einander anpassen lassen.

© NayaAnn / Depositphotos.com

Die Vor- und Nachteile verschiedener Kameratypen

Im Folgenden gibt es eine kleine Übersicht der wichtigsten Vor- bzw. Nachteile von drei verschiedenen Kameratypen: Digitale Spiegelreflexkameras, digitale Kinokameras und Consumer-Camcorder.

Die aufgeführten Vor- und Nachteile gelten allgemein für den jeweiligen Kameratyp und können je nach Modell abweichen.

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)

Zoomen mit DSRL - Kameraführung im Film
© D. N.

Digitale Spiegelreflexkameras werden heutzutage immer öfter zum Filmen eingesetzt – Und das nicht nur von Film-Anfängern.

Auch professionelle Filmemacher und Kameraleute greifen auf die kostengünstige Filmkamera-Alternative zurück.

Denn neben dem typischen Filmlook und dem verhältnismäßig geringen Preis, haben die kleinen Wunderwerke viele Vorteile, die sie immer weiter im Film-Bereich integrieren.

Vorteile

+ „Filmlook“, durch geringe Tiefenschärfe
+ durchschnittlich kostengünstig (je nach Modell)
+ Wechselobjektive nutzbar
+ übersichtliche Bedienung
+ manuelle Einstellungsmöglichkeiten
+ gut geeignet für Fotos

Nachteile

– Es werden verschiedene lichtstarke Objektive benötigt
– Es wird weiteres Zusatzequipment benötigt (Follow Focus, Schulter-Rig, etc.)
– mangelnder Funktionsumfang (Zebra, Peaking, etc.)
– begrenzte Bildqualität (meistens keine RAW-Aufnahmen möglich)
– baubedingte Nachteile, z.B. Shutter-Effekt
– Ton muss meistens extern aufgezeichnet werden

Digitale Kinokamera

Die Wahl der Kamera - Sony PMW F3 - Bild: Eighty4Arts
© MatthiasEightyfour

Im Gegensatz zu früher werden heutzutage die meisten Filme digital gedreht. Dabei kommen häufig große und teure digitale Filmkameras zum Einsatz. Ein typisches Beispiel für eine solche Kamera ist die Red One. Aber auch die deutlich günstigere F3 von Sony (s. Bild) gehört zu den digitalen Filmkameras.

Dabei überzeugen die professionellen Kameras vor allem durch ihre einzigartige Bildqualität und ihren unglaublichen Funktionsumfang – Natürlich zu einem entsprechend teuren Preis.

Vorteile

+ bessere Bildqualität durch größeren Sensor
+ verfügt über alle wichtigen Funktionen
+ bessere Handling-Möglichkeiten
+ mehr Einstellungsmöglichkeiten

Nachteile

– sehr kostenintensiv
– oft unübersichtliche Bedienung (vor allem für Anfänger)
– oft teures Zusatz-Equipment
– meist sind Vorkenntnisse nötig

Camcorder

Last but not least: Camcorder. Consumer-Camcorder verschwinden zwar immer mehr aus unseren Technik-Regalen, dennoch werden die kostengünstigen Kameras vor allem von Film-Anfängern immer noch gerne genutzt.

Denn durch ihre einfache Bedienung und den übersichtlichen Funktionen bieten sie die optimale Möglichkeit, auch mit wenig Vorwissen, die ersten Filmaufnahmen zu machen. Leider stoßen die Camcorder relativ schnell an ihre Grenzen, wenn es um Qualität, Funktionalität und Bedienungsmöglichkeiten geht.

Doch auch mit billigen Camcordern lassen sich gute Filme drehen. Eines der besten Beispiele dafür ist der Film „Blair Witch Project“, der mit einem Hi8 Camcorder aufgenommen wurde und bis heute sehr berühmt ist.

Man merkt also: Im Endeffekt ist der Erfolg eines Films nicht von der genutzten Kamera abhängig!

Vorteile

+ günstig
+ einfach zu bedienen
+ übersichtliche Bedienung
+ benutzerfreundlich
+ schnell einsatzbereit

Nachteile

– schlechte Bild- und Tonqualität
– nicht vorhandener „Filmlook“
– wenige Einstellungsmöglichkeiten
– meistens keine Wechselobjektive nutzbar

Fazit

Die Wahl der Kamera beeinflusst unmittelbar die später verfügbaren Möglichkeiten der Kameraführung. Denn schließlich hat man nicht mit jedem Kameramodell unbegrenzte Gestaltungs- und Bedienungsmöglichkeiten.

Außerdem kann es sein, dass man zusätzlich zur Kamera noch Equipment benötigt (z.B. ein Schulterstativ) oder auf bestimmte Gestaltungsmittel verzichten muss. Ein Beispiel: Eine Spiegelreflexkamera (DSLR) eignet sich eher weniger für einen Dolly-Zoom (bzw. Vertigo-Effekt).
Aus diesem Grund sollte man sich vorher über alle Vor- und Nachteile der jeweiligen Kameratypen informieren und somit mögliche Probleme beim Dreh vermeiden.

Wer also mit einer guten Kameraführung überzeugen möchte, sollte ebenso viel Zeit in die Vorbereitung und die Wahl der Kamera investieren, wie auch in die spätere Bildgestaltung beim Dreh.

Und so geht es weiter:

Kameraführung im Film – Teil 3: Der Kameraschwenk

Kameraschwenk - Kameraführung im FilmDer Kameraschwenk ist eines der typischsten/tipps-und-tricks/hilfreiches/kameraschwenk Kamerabewegungen im Film. Im dritten Teil der Artikelserie „Kameraführung im Film“ beschäftige ich mich genauer mit dem Thema Schwenken und gehe auf die verschiedenen Arten und Ebenen eines Schwenks ein.
Neben den wichtigsten drei Schritten beim Schwenken gibt es außerdem die Vor- und Nachteile des Schwenkens in der Übersicht.

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Daniel Negenborn
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Daniel ist Gründer und Autor von FilmMachen.de. Der gelernte Mediengestalter Bild und Ton studierte Regie für Film und Fernsehen und arbeitet seitdem hauptberuflich als Filmschaffender in Deutschland. Im Blog schreibt er über alles, was mit dem Filmemachen zu tun hat.

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3 Kommentare

  1. kroll am 5. März. 2016 14:05

    Ich habe noch einen hi8 Camcorder von Sony. Der ist aber nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. Welchen Camcorder bis 2000 € würden Sie empfehlen? Hd-Qualität sollte es schon sein, ein gutes Handling und einen ordentlichen Zoom.

    Antworten
  2. Daniel am 7. Sep.. 2016 17:00

    Habe gerade nachgeschaut was so Kinokameras kosten und ungefähr mit 10-15 Tausend gerechnet. Ich kann nur eins dazu sagen: Ich lag falsch.

    Antworten
    • Josef am 3. Okt.. 2018 16:11

      Ja ARRI, RED und die üblichen Verdächtigen lassen sich die Kinokameras gut bezahlen, aber es gibt ja auch noch Blackmagic, die mit deutlich günstigeren Modellen in den Markt drücken.

      Antworten
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