Die Handkamera: Kameraführung im Film – Teil 5

Früher undenkbar, heute kein Problem mehr: Der Einsatz einer Handkamera. Die Führung der Kamera aus der Hand ist aufgrund der kleinen Modelle mittlerweile Alltag geworden und hat sich als eine beliebte Möglichkeit der Kameraführung durchgesetzt.

Daher geht es im fünften Teil der Artikelreihe um die Handkamera, ihre Vor- und Nachteile und Tipps, wie man sie richtig benutzt.

  1. Kamerabewegungen im Überblick
  2. Die Wahl der Kamera: Kameraführung im Film – Teil 2
  3. Der Kameraschwenk: Kameraführung im Film – Teil 3
  4. Richtig Zoomen: Kameraführung im Film – Teil 4
  5. Die Handkamera: Kameraführung im Film – Teil 5

Was ist eigentlich eine Handkamera?

Unter „Handkamera“ versteht man die Führung der Kamera aus der Hand oder von der Schulter. Auch die Führung der Kamera mit einem Rig oder einer Steadycam wird gerne als Handkamera beschrieben.

Erst in den 1920ern, mit dem Bau kleinerer Kameras, war es möglich Handkameras einzusetzen. Richtig durchsetzen konnte sie sich allerdings noch nicht und mit dem Tonfilm, fand die Handkamera zunächst wieder ein schnelles Ende. Erst Ende der 1950er mit dem Auftreten des cinema verité und durch den technischen Fortschritt wurde die Handkamera wieder aktuell. Dabei fand sie vor allem als dokumentarische Kamera Verwendung.

Nach dem häufigen Auftreten von Steadicam-Einstellungen und Handkameras in verschiedenen Genres 1980 fand der Einsatz der Handkamera schließlich in den 1990ern ihren Weg in den Spielfilm.

Vor- und Nachteile der Handkamera

Der Einsatz einer Handkamera hat verschiedene Vor- und Nachteile:

Vorteile

  • Sehr bewegliche und flexible Kameraführung
  • Die Kamera kann schneller reagieren
  • Man ist mitten im Geschehen
  • Sie vermittelt einen sehr realistischen Eindruck

Nachteile

  • Oft stark verwackelte Aufnahmen
  • Teils unscharfe Aufnahmen
  • Das längere Zusehen von Handkamera-Aufnahmen kann anstrengend sein

Wie benutzt man die Handkamera richtig?

Beim Einsatz einer Handkamera gibt es ein paar Tipps, die bei einer ruhigeren Kameraführung helfen:

  • Sorge für einen festen Stand; geh leicht in die Knie
  • Nutze den Sucher und stütze die Kamera dadurch zusätzlich ab
  • Stütze dein Arm an der Brust ab
  • Stelle sicher, dass der Halteriemen (in der deine rechte Hand steckt) richtig fest ist
  • Übe das Vorwärts- und Rückwärtsgehen und „Abrollen“ der Füße beim Laufen
  • Nutze ein Rig oder eine Steadycam
Filmen wie Ballhaus: Basics der Bildgestaltung*
Hier erfährt man alles über die Kadrierung: Von den Perspektiven über die Einstellungsgrößen bis hin zu verschiedenen Kamerabewegungen werden alle wichtigen Aspekte anhand konkreter Beispiele erklärt. Unsere Meinung: Sehr empfehlenswert!

*=Affiliatelink/Werbelink. Produktbild: Amazon Product Advertising API. Aktualisiert: 2021-06-09.

Beliebte Einsatzmöglichkeiten

Die Handkamera wird gerne in typischen Handlungssequenzen oder Genres verwendet. Hier die beliebtesten:

Actionszenen

Der Einsatz der Handkamera in Actionszenen eignet sich aus mehreren Gründen sehr gut, um das Geschehene festzuhalten. Vorrangig vermittelt sie dem Zuschauer ein sehr realistisches Gefühl; als sei er mitten im Geschehen. Zudem kann durch die hektische Kameraführung die Wirkung geplanter Stunts, wie Schläge, Tritte oder Schüsse verstärkt werden. Bei Actionfilmen kommt zudem ein schneller Schnitt hinzu, der die hektische Wirkung verstärkt.

Dokumentationen

Bei vielen Dokumentarfilmern ist die Handkamera oft nicht die Frage, sondern das Ergebnis. Da die meisten Dokumentationen darauf abzielen, die Realität möglichst echt festzuhalten, ist die Handkamera oft die einzige Möglichkeit um mit der Realität/Handlung mitzuhalten. Gegenteilige Beispiele finden sich oft in Sach-/ Tier- und Naturdokumentationen, bei denen die Bilder hauptsächlich vom Stativ aufgenommen werden. Hier wird jedoch kritisiert, dass durch die eindeutige Wahl des Bildausschnitts, die dargestellte Realität festgelegt wird.

Dogma 95

Das „Dogma 95“ ist ein von dänischen Regisseuren unterzeichnetes Manifest für ihre Filmproduktion mit einem Regelkatalog. Unter den 10 Regeln ist u.a. aufgeführt, dass nur Handkameras eingesetzt werden dürfen. Weitere Regeln beschreiben, dass nur natürliches Licht verwendet werden darf oder das nur Originalschauplätze ohne Requisiten für die Dreharbeiten in Frage kommen dürfen.

Fazit

Die Handkamera ist ein wichtiges Stilmittel bei der Filmproduktion und hat sich bei bestimmten Situationen erfolgreich durchgesetzt. Dies liegt vor allem an der Flexibilität, Mobilität und Perspektive der Handkamera.

Doch eine gute Kameraführung mit einer Handkamera erfordert einiges an Übung und sollte vorher immer geprobt werden.

Mehr Infos zum Thema Handkamera gibt es unter www.wasistwas.de und www.diegesis.uni-wuppertal.de.

Und so geht es bald weiter:

Im nächsten Teil der Artikelserie „Kameraführung im Film“ beschäftige ich mich mit dem Thema „Kamerafahrten“ und gebe Tipps, was man dabei alles beachten sollte.


Bild: © Terje Sollie / Pexels

  • Daniel Negenborn

    Daniel A. Negenborn ist der Gründer von FilmMachen.de. Der gelernte Mediengestalter Bild und Ton absolvierte ein Studium in Regie für Film und Fernsehen und arbeitet seit 2019 hauptberuflich als Filmschaffender in Deutschland. Hier im Magazin schreibt er über alles, was mit dem Filmemachen zu tun hat.

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