E-Castings für Filme sind eine alternative Art des Castings, die neben den üblichen Casting-Methoden immer moderner werden. Doch was genau ist ein E-Casting überhaupt, was sind die Vor- und Nachteile für beide Seiten und wie geht man dabei am besten vor?

E-Casting: Was ist das eigentlich?

Das „E“ im E-Casting steht für „Elektronisch“ und bezeichnet die Suche von Schauspielern mit Videos im Internet. Dafür geben die Castingagenturen bzw. die wichtigsten Informationen zur gesuchten Rolle (wie Spielalter, Geschlecht, etc.) an und stellen auf Anfrage eine Beispielszene zur Verfügung.

Anschließend können interessierte Schauspieler sich selbst mit einer Kamera aufnehmen und das Video mit der angeforderten Szene an die Agentur schicken.

Dabei haben E-Castings viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Diese unterscheiden sich je nach Perspektive: Ob man selbst sucht oder ob man sich bewirbt.

Vor- und Nachteile für Schauspieler

Vorteile für Schauspieler

E-Casting: Wie du erfolgreich von E-Castings profitierst

© Florian von Bornstädt

Gewohntes Umfeld
Ein Pluspunkt für Schauspieler ist das gewohnte Umfeld. Da die meisten Probeszenen im heimischen Wohnzimmer aufgenommen werden können, hilft das gewohnte Umfeld bei der Konzentration und Entspannung beim Aufnehmen. Es wird nur äußerst selten gewünscht, dass das Video draußen aufgenommen werden soll.

Viele Versuche
Ein großer Vorteil für alle Schauspieler ist wohl die Tatsache, dass das Video so oft neu aufgenommen werden kann, bis es einem gefällt. Dies ist zwar ein guter Vorteil gegenüber normalen Castings, gilt allerdings natürlich auch für alle anderen Bewerber.

Zeit- und Geldersparnis
Ein wirklicher Vorteil von E-Castings ist natürlich die Zeit- und Geldersparnis. Einerseits spart man sich die Zeit und den Aufwand der An- und Abreise und andererseits das Geld, welches man dafür zwangsläufig ausgeben müsste. Es kommt zwar manchmal vor, dass man für ein normales Casting eine Aufwandsentschädigung erhält, dieses deckt aber nur selten die tatsächlichen Kosten ab.

Nachteile für Schauspieler

Hohe Konkurrenz
Ein großer Nachteil von E-Castings für Schauspieler ist die hohe Konkurrenz, die sich aus der (theoretisch) unbegrenzten Reichweite des Online-Aufrufs ergibt. Denn dadurch ist die Chance wesentlich größer, dass man als Schauspieler in der großen Masse an Bewerbungen untergeht.

Know-How und Equipment
Ein weiterer Nachteil ist, dass man für die Aufnahme eine Kamera benötigt. Natürlich kann man wie viele andere auch das Smartphone benutzen, doch auch eine vernünftige Videoqualität kann nur zum Vorteil sein. Zudem sollte man sich grob mit dem Videoschnitt auskennen. Wer selbst keine Kamera besitzt oder sich mit dem Schnitt nicht auskennt, findet meistens Hilfe bei Verwandten oder Freunden.

Vor- und Nachteile für Agenturen/Caster

Vorteile für Agenturen/Caster

E-Castings haben für Suchende wie Agenturen oder Produktionsfirmen viele Vorteile. Die wichtigsten sind (Inter-)Nationalität, Aktualität und Vergleichbarkeit.

(Inter-) Nationalität
Ein besonders großer Vorteil an E-Castings ist, dass man mit wenig Aufwand eine große Reichweite hat. So können sich z.B. Schauspieler aus ganz Deutschland oder Europa bewerben, ohne dass man gleich mehrere Castings veranstalten muss. Ein Vorteil, der einem mit wenig Aufwand viel Arbeit abnimmt.

Aktualität
Der zweite große Vorteil an E-Castings ist, dass man durch die Videos eine gewisse Aktualität der Schauspieler genießt. So weiß man relativ genau, wie die Schauspieler aussehen, wie sie sprechen und wie sie die gespielte Szene selbst interpretieren. Dies ist ein sehr wichtiger Faktor, da die Show Reels und Fotos von Schauspielern oft schon mehrere Monate bzw. Jahre alt sind.

Vergleichbarkeit
Ein weiterer Vorteil ist die direkte Vergleichbarkeit der Einsendungen. Da man oft gleich mehrere Video-Bewerbungen für eine Rolle erhält, kann man die schauspielerische Leistung der Bewerber gut miteinander vergleichen und entdeckt durchs mehrmalige Anschauen vielleicht sogar etwas Besonderes an einem Schauspieler, was einem vorher gar nicht aufgefallen ist.

Nachteile für Agenturen/Caster

Neben den besonderen Vorteilen von E-Castings gibt es für Suchende auch einige Nachteile. So weiß man durch ein E-Casting oft nicht, ob man überhaupt mit den Schauspielern arbeiten kann und wie lange sie sich auf das Casting-Video vorbereitet haben.

Gemeinsames Arbeiten
Der größte Nachteil ist genauso groß wie offensichtlich: Durch das Video von den Schauspielern weiß man nicht, ob man überhaupt mit den Schauspielern arbeiten kann. Dies kann man nur bei einem persönlichen Treffen herausfinden und ist sehr wichtig für eine gute Zusammenarbeit am Set.

Unbekannte Vorbereitungszeit
Ein weiterer großer Nachteil ist, dass man nicht einschätzen kann, wie lange sich der Schauspieler auf das Video vorbereitet hat und wie gut er wirklich ist. So gibt es Schauspieler, die sich extra für ein paar Tage mit einem Coach auf das Casting-Video vorbereiten und dadurch in der angeforderten Szene glänzen, obwohl sie eigentlich keine guten Schauspieler sind.

Wie nimmt man ein E-Casting Video richtig auf?

Imagefilm produzieren - Schritt für Schritt -Foto: Lars Gottschalk

© Lars Gottschalk

Technik
Das Wichtigste für die Aufnahme: Die Technik. Hierzu gehört sollte man sich neben der Kamera (z.B. DSLR) auch Gedanken über das Licht und den Ton machen. Nicht ist schlimmer, als wenn man die beste Leistung aufgrund schlechter technischer Umsetzung nicht erkennen kann.

Ort
Hierzu eignet sich meistens das heimische Wohn- oder Schlafzimmer. Man sollte jedoch den Hintergrund jedoch möglichst neutral halten, damit keine störenden Dinge ablenken können, wie z.B. ein ungemachtes Bett. Wenn man selbst kein Platz hat, kann man ja immer Freunde oder Verwandte fragen.

Kostüm & Maske
Es ist gerne gesehen oder manchmal sogar gewünscht, dass man sich als Schauspieler auch Gedanken über das Kostüm und die Maske machen sollte. Das heißt natürlich nicht, dass man dafür extra einkaufen gehen muss, aber man sollte immer das Beste für die Rolle aus dem heimischen Kleiderschrank holen.

Anspielpartner
Einer der wichtigsten Punkte bei der Aufnahme ist ein Anspielpartner. Da die gewünschten Szenen nur in den seltensten Fällen Monologe sind, ist es immer einfach mit einem Anspielpartner. Dieser muss keinerlei schauspielerische Leistungen besitzen, es hilft allerdings natürlich sehr, wenn der Anspielpartner anstatt Mutter oder Bruder ein Schauspiel-Kollege ist.

Inhalt
Welche Szenen oder Auszüge zum Vorspielen vorgesehen sind, wird einem durch die suchende Person mittgeteilt. Dabei erhält man neben den Dialogauszügen auch meistens eine „Anleitung“ mit weiteren Anweisungen zum gewünschten Ablauf, zur Aufnahme oder zur Vorstellung. Wie so etwas aussehen kann, kann man am E-Casting Aufruf vom Kinofilm „Caroline“ (AT) auf filmmakers.com sehen.

Wo findet man E-Casting Aufrufe im Internet?

Die meisten E-Casting Aufrufe im Internet findet man meistens zwischen den „normalen“ Castingaufrufen im Internet. Für Fernsehangebote gibt es ebenfalls eine große Auswahl bei Google zu finden. Auf www.ufa-talentbase.de/castings findet man zum Beispiel die Online-Casting Möglichkeiten für viele deutsche TV Shows.

Fazit

Generell sind E-Castings eine gute und schnelle Möglichkeit um nach passenden Schauspielern zu suchen. Dennoch haben sie gegenüber normalen Castings ein paar wesentliche Nachteile, sodass man sie am besten nur als Vorstufe zu einem normalen Casting sieht.

Ein echtes Casting ist einfach unumgänglich, wenn man herausfinden will, ob man mit den Schauspielern arbeiten kann und wie gut sie wirklich zur Rolle passen.

Wer allerdings zunächst auf einem schnellen Weg viele Bewerbungen erhalten möchte bzw. sich einfacher bewerben will, für den sind E-Castings eine gute Möglichkeit.

Artikelbild: © Flo Dahm / Pexels

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