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Home»Technik»Kamera»Richtig Zoomen: Kameraführung im Film – Teil 4

Richtig Zoomen: Kameraführung im Film – Teil 4

von Daniel Negenborn20. Apr.. 20155 Min. Lesezeit
© D. N.
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Der Zoom – Oft benutzt und doch so verhöhnt. Vor allem bei Film-Anfängern wird gerne gezoomt – Meistens mit schlechten Folgen für Film und Filmemacher.

Das liegt häufig am mangelnden Wissen um die Funktion des Zooms und/oder an der schlechten Umsetzung.

Deswegen beschäftige ich mich in diesem Artikel genauer mit dem Thema „Zoomen“. Außerdem gehe ich darauf ein, warum man es meistens lieber nicht tun sollte und wie man es im Fall der Fälle richtig macht.

  1. Kamerabewegungen im Überblick
  2. Die Wahl der Kamera: Kameraführung im Film – Teil 2
  3. Der Kameraschwenk: Kameraführung im Film – Teil 3
  4. Richtig Zoomen: Kameraführung im Film – Teil 4
  5. Die Handkamera: Kameraführung im Film

Was ist Zoomen?

„Zoomen“ ist die Veränderung des Aufnahmemotivs durch die Veränderung der verwendeten Brennweite. Das heißt, dass sich durch die Veränderung der Brennweite der Abstand von Linse zu Brennpunkt im Objektiv, und somit auch der gesehene Bildausschnitt verändert.

Beim Zoom unterscheidet man zwischen optischem und digitalem Zoom. Doch nur der optische Zoom ist die „vernünftige“ Möglichkeit, da sich dort das Bild durch die Veränderung der Brennweite verändert. Der digitale Zoom dagegen ist eine digitale Vergrößerung des Bildausschnitts. Das heißt aber auch, dass die Qualität mit steigendem Zoom erheblich nachlässt. Dies kommt vor allem bei Standard-Digitalkameras vor. Deswegen sollte man generell auf digitale Zooms verzichten.

Bei der Verkleinerung des Bildausschnitts spricht man umgangssprachlich vom „Reinzoomen“ (eng.: zoom in), bei der Vergrößerung vom „Rauszoomen“ (eng.: zoom out).

Warum man meistens nicht Zoomen sollte

Zunächst muss man sagen, dass es genug Gründe dafür gibt nicht zu zoomen.

Der erste und wahrscheinlich wichtigste Grund dafür ist, dass ein „Zoom“ im Spielfilm als eine unnatürliche Bewegung gilt. Denn da sich beim Zoomen die Perspektive nicht verändert (Kamerastandort bleibt gleich), wirken Zooms immer etwas merkwürdig. Hinzu kommt, dass dadurch dem Zuschauer die Kamera als „Kamera“ im Film bewusst wird und die Illusion zerstören kann.

Ein Zoom ist auch kein Ersatz für eine echte Kamerafahrt. Denn im Gegensatz zu dieser verliert das Bild beim Zoomen an räumlicher Tiefe, da die Details, die im hinteren Bildbereich liegen, nur vergrößert werden.

Außerdem muss man ganz klar sagen, dass ein Zoom oft nicht einen vernünftigen Schnitt ersetzen kann. Es empfiehlt sich im Zweifel also immer auf das Zoomen zu verzichten und stattdessen lieber zwei verschiedene Bildeinstellungen aneinander zu schneiden oder noch besser; die Kamera zu bewegen.

Merke: Ein guter Zoom ersetzt niemals einen guten Schnitt.

Erfahrene Filmemacher benutzen den Zoom meistens nur zur Bestimmung der benötigten Festbrennweite oder wechseln mit Zoomobjekten schneller die Brennweite in der Aufnahmepause. Das bloße Zoomen ins Bild wird eher als unmotivierte Spielerei wahrgenommen. Es gibt also genug Gründe nicht zu zoomen. Doch wann „darf“ man eigentlich zoomen?

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Wann darf man zoomen?

Während der Zoom im Spielfilm nur selten vorkommt (als Teil des Looks), kann man den Zoom überall im täglichen Fernsehprogramm sehen. Vor allem bei Shows, Reportagen, Beiträgen und Dokumentationen, wo einerseits versucht wird, das Geschehene unverändert wieder zu geben und anderseits, bestimmte Bereiche des Bildes zu betonen. Hinzu kommt, dass die Kamera dem Zuschauer nicht „verheimlicht“ werden muss, da diese eh „bewusst“ wahrgenommen wird.

Auch wenn es genug Gründe gegen das Zoomen gibt, kann man also doch unter bestimmten Bedingungen auf das Zoomen zurückgreifen.

Man sagt: Der Zoomhebel ist der Zeigefinger des Kameramannes. Das bedeutet, dass nur wenn der Kameramann etwas besonders Wichtiges hervorheben oder betonen will, die Zoomwippe auch benutzt werden sollte. Sonst nicht.

Richtig Zoomen in drei Schritten:

Sollte man einmal zoomen wollen, können diese drei Schritte sehr hilfreich sein:

1. Man sollte nur vom Stativ oder Dolly zoomen! Außerdem sollte der Zoom vor Beginn einmal „trocken“ geübt werden. „Trocken“ heißt, dass das Bild der Kamera während der Übung nicht aufgenommen wird. So kann man das Anfangs- und Endbild besser bestimmen, ohne unnötigen Speicherplatz zu verbrauchen.

2. Vor und nach dem Zoom sollten jeweils 3 Sekunden ein stehendes Bild mit aufgenommen werden. Dadurch verhindert man eine Aufnahme, die mitten in der Zoomfahrt beginnt. Außerdem kann man so die Zoomfahrt später gezielter herausschneiden.

3. Beim Zoomen nicht zögern und bei möglichst gleichbleibender Geschwindigkeit den Zoom zu Ende bringen. Verwackelte Zooms sollten unbedingt vermieden werden!

Merke:

Zooms im Telebereich sind besonders schwierig! Denn der winzige Bildwinkel bewirkt, dass schon kleinste Wackler oder Unruhen später auf dem Bildschirm wie ein Erdbeben wirken können.

Fazit

Generell gilt: Im Spielfilm kann auf das „Zoomen“ so gut wie immer verzichtet werden, denn es wirkt unnatürlich und „erzählt“, dass dort eine Kamera im Film ist. Ausnahmen sind der Einsatz als Stilmittel oder bei Fernsehbeiträgen, Dokumentationen, etc.

Wer einen schönen Zoom mit Zoomrad oder Zoomwippe machen will, sollte Geduld mitbringen und viel üben. Denn richtig Zoomen ist nicht leicht und erfordert in den meisten Fällen viel Übung und Erfahrung.

Und so geht es weiter:

Kameraführung im Film – Teil 5: Die Handkamera

Bild: KI (DALL·E / OpenAI)

Im fünften der Artikelserie „Kameraführung im Film“ beschäftige ich mich mit dem Thema „Handkamera“ und gebe Tipps, was man dabei alles beachten sollte.

Hier findet man neben den Vor- und Nachteilen die beliebtesten Einsatzmöglichkeiten und Tipps für die Kameraführung aus der Hand.

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Daniel Negenborn
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Daniel ist Gründer und Autor von FilmMachen.de. Der gelernte Mediengestalter Bild und Ton studierte Regie für Film und Fernsehen und arbeitet seitdem hauptberuflich als Filmschaffender in Deutschland. Im Blog schreibt er über alles, was mit dem Filmemachen zu tun hat.

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